Eigenen Schinken kalträuchern – so geht`s

Richtig guter Schinken hat auch seinen Preis und das auch vollkommen zurecht. Denn wie wir alle wissen, kostet Qualität nun mal auch Geld. Wer denkt Schinken kalträuchern ist schwierig, der täuscht sich – es ist nämlich viel einfacher, als man denkt! Wer selber räuchert, spart nicht nur Geld, sondern hat auch noch erheblichen Einfluss auf die spätere geschmackliche Note des Schinkens. In jedem Fall hebt sich ein selbst geräucherter Schinken geschmacklich deutlich von den industriell gefertigten Produkten ab.

Zumal Schinken kalträuchern ein sehr schönes und relativ kostengünstiges Hobby mit einem hohen Nutzeffekt ist. Schinken kalträuchern ist im Prinzip gar nicht so schwierig. Trotzdem gibt es natürlich auch hier einige wesentliche Dinge, die zu beachten sind. Schließlich soll der Schinken später nicht nur außerordentlich gut schmecken, er muss auch konserviert und haltbar gemacht werden und wie das geht, das erfahren Sie hier.

Guter Schinken braucht gutes Fleisch!

Schinken kalträuchern hat eine sehr alte Tradition. Diese Kunst zu erlernen ist nicht schwer, Perfektion erreicht man jedoch erst mit der Zeit und durch das Sammeln von eigenen Erfahrungen. Wenn es nicht auf Anhieb so klappt wie gewünscht, dann ist das normal. Mit der Zeit werden auch die Ergebnisse immer besser, doch um gute Ergebnisse erzielen zu können, sollte man gleich vorneweg wissen dass das Ausgangsmaterial, sprich gutes und frisches Fleisch, die grundlegende Basis für den späteren Erfolg bildet.

Frisches Rindfleisch ist dunkelrot, Schweinefleisch zartrosa mit einem leichten Glanz. Das Fleisch sollte keinesfalls matt wirken, einen weichlichen Eindruck machen, schwammig aussehen oder sich nach einem Drucktest ebenso anfühlen oder Druckstellen hinterlassen. Ein wichtiges Augenmerk sollte man auch auf die Safthaltigkeit von Fleisch legen. Fleisch, das in der Theke im eigenen Saft liegt, sollte man weder kaufen noch räuchern. Frisches Fleisch riecht entweder gar nicht oder hat einen milden Geruch.

Riecht es süßlichen oder gar streng, lässt man die Finger davon. Qualität und Frische haben natürlich auch ihren Preis. Will man Schinken kalträuchern, dann sollte man auch bereit sein für gutes Fleisch entsprechend tief in die Tasche zu greifen. Abgepacktes Discounter-Fleisch sollte man keinesfalls zum Schinken kalträuchern verwenden. Preis, Frische und Qualität sind hier zumeist niedrig, der Geschmack und der Wassergehalt dafür umso höher.

Der Pökelvorgang

Wer noch gar keine Erfahrung mit Schinken kalträuchern hat, sollte sich zunächst einmal mit der Herstellung von einfachen Räucherlingen versuchen. Ideal dafür ist frische Schweinelende bzw. Schweinefilet. Bevor man die Schweinelende räuchern kann, muss sie zunächst einmal vorkonserviert werden und Wasser verlieren und genau darum wird sie gepökelt. Für kleinere Fleischstücke eignet sich die Trockenpökelmethode in Eigenlake sehr gut. Dazu verwendet man pro Kilo Fleisch exakt 35 Gramm Nitritpökelsalz (NPS). Hierbei ist es ganz wichtig, die Menge genau einzuhalten. Verwendet man mehr NPS, schmeckt das Fleisch zu salzig, verwendet man hingegen weniger, schmeckt es fad und verdirbt womöglich vorschnell.

35 Gramm sind ein guter Richtwert, wer es gerne etwas salziger mag, kann gerne auf maximal 40 Gramm NPS/Kilo hochgehen. Nun wiegt man die entsprechende Menge Salz für das Filetstück ab und reibt es rundherum kräftig damit ein. Wiegt das Schweinefilet beispielsweise 600 Gramm, brauchen wir 21 Gramm NPS. Dazu gibt man noch etwas Zucker und wer mag, kann seinen Schinken durch die Zugabe von Gewürzen (Knoblauch, Pfeffer, Paprika- und/oder Chillipulver, Wacholderbeeren, Lorbeerblatt, etc.) aromatisieren.

Tipp: Nitritpökelsalz verwenden

Ich persönlich verwende lediglich Nitritpökelsalz, viel frischen Knoblauch sowie zwei spezielle Pfeffersorten. Nachdem das Filetstück mit dem Rub gut eingerieben wurde, wickelt man es gut in Frischhaltefolie ein und legt es für etwa 5 Tage in den Kühlschrank. Besser ist es natürlich, wenn man ein Vakuumiergerät besitzt und das Fleisch vakuumverpackt pökelt. Das beschleunigt den Pökelvorgang und verbessert zudem noch das Aroma. Pro Zentimeter Fleischdurchmesser kann man bei dieser Pökelmethode etwa einen Tag pökeln einplanen. Im Zweifelsfall pökelt man das Fleisch lieber noch einige Tage länger im Kühlschrank, eine Gefahr der Übersalzung besteht hierdurch nicht.

Nach dem Pökeln muss das Fleisch gewässert werden. Dazu kommt das Fleisch für etwa 1 Stunden in eine Schüssel mit kaltem Wasser, welches in der Zeit 2-3 Mal gewechselt wird. Nach dem Wässern tupft man das Fleisch trocken und legt es zum Durchbrennen in den Kühlschrank oder hängt es bei kühlen Temperaturen (max. 8-12 °) an Fleischerhaken an die Luft.

Das Durchbrennen bewirkt, dass das Fleisch nochmals Flüssigkeit abgibt und dass sich der Salzgehalt im Fleisch gleichmäßig verteilt. Nach der Durchbrennphase kann man mit dem Schinken kalträuchern beginnen. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass das Fleisch äußerlich vollkommen trocken ist. Ist es noch feucht wenn es in den Räucherofen kommt, dann können sich unschöne Rußpartikel am Fleisch absetzen und es praktisch ungenießbar machen.

Schinken kalträuchern im Räucherschrank

Nachdem der Schinken gepökelt wurde und die erste Durchbrennphase hinter sich hat, kann man mit dem Schinken kalträuchern beginnen. Schinken kalträuchern tut man logischerweise immer im Spätherbst oder Winter, wenn die Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt sind. In jedem Fall darf es draußen keine Fliegen oder Insekten mehr geben, welche das Fleisch möglicherweise kontaminieren könnten. Zum Kalträuchern braucht man einen Räucherschrank, einen Räucherofen oder eine Räuchertonne und natürlich auch Räuchermehl, vorzugsweise feinkörniges Buchenmehl.

Die Schinken werden an Fleischerhaken im Räucherschrank aufgehängt und das Räuchermehl u-förmig in die Räucherschale geschüttet. Danach drückt man es mit der Hand ein wenig an und zündet es an einer Ecke an, sodass eine Dauerglut entsteht und das Räuchermehl im Idealfall 8-10 Stunden abglimmt und dabei konstant kalten Rauch abgibt. Während des Räuchervorgangs darf die Temperatur die 25 ° nicht überschreiten, da ansonsten das Eiweiß im Fleisch gerinnt und somit die gewünschte Konservierung nicht stattfindet. Je niedriger die Temperatur, desto besser für den Schinken.

Geräuchert wird immer in Intervallen. Einem Räuchervorgang von 8 Stunden muss immer eine Frischluftphase von ebenso langer Dauer erfolgen. Die Frischluftphasen sind sehr wichtig, damit der Schinken sein typisches Aroma entfalten kann. Im Prinzip reichen 3 Räuchergänge zu je 8 Stunden aus, wer seinen Schinken jedoch etwas rauchiger mag, kann auch 1-2 Räuchergänge mehr einlegen, das ist Geschmackssache.

Nach dem letzten Räuchergang ist der Schinken praktisch schon verzehrfertig. Mit gutem Schinken ist es wie mit gutem Wein – er muss reifen! Durch die Reifung an einem luftigen, kühlen und dunklen Ort trocknet er allerdings auch noch weiter aus und verliert an Gewicht, gewinnt dafür jedoch an Geschmack. Räucherlinge schmecken am besten, wenn man sie noch etwa 10 Tage reifen lässt und danach vakuumiert und einfriert. So hat man immer einen Vorrat an eigenem Schinken parat!